English
 

Joseph Beuys

Titel: "Intuition", 1968
Technik: Holzkiste mit Bleistiftzeichnung
Format: 30 x 20,5 x 5 cm
Auflage: ca. 12.000
signiert und datiert
Schellmann: 7

1.300 Euro

Intuition, 1968

... es gibt doch kaum etwas Schöneres als Veränderung", Alexander Braun im Gespräch mit dem Fluxus-Verleger und Kunstsammler Wolfgang Feelisch:

Braun: Im Laufe von fast zwanzig Jahren haben Sie von Beuys' Intuitionskiste mehr als 10.000 Exemplare verlegt. War es absehbar, dass ausgerechnet dieses Multiple ein so großer Erfolg werden würde?

Feelisch: Nach einigen Jahren zeichnete sich das ab. So wie auch schnell klar wurde, dass ich mit vielen meiner ursprünglichen Überlegungen falsch lag. Ich hatte das Interesse an neuen Ideen und die Neugierde des Publikums viel zu optimistisch eingeschätzt. Das bestätigte sich nicht zuletzt im Verkauf, der sich in Abhängigkeit vom Bekanntheitsgrad des jeweiligen Künstlers verhielt. Viele Bestellungen, die ins Haus kamen, machten z.B. zur Bedingung, dass die Objekte die Signatur des Künstlers tragen müssten. Es sollten also traditionelle Kriterien an ein Kunstwerk erfüllt sein, die mich ja gar nicht interessierten. Ich wollte authentische Informationen weitergeben: vom Künstler direkt zum Interessenten. Beuys wurde in diesem Sinne also zwangsläufig zum Renner.  Bei dieser hohen Auflage ließ sich von der Kalkulation her dann sogar Gewinn erzielen, wenngleich nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien. 1985 oder 1986, kurz vor Beuys' Tod, als wir die letzten Kisten fertig stellten, haben wir gemeinsam hochgerechnet, was denn eine Kiste kosten müsste, wenn wir die Herstellungskosten, Beuys' und meinen Stundenlohn, den Versand und die Lagerhaltung realistisch umlegen würden, und wir kamen auf eine astronomische Summe.

B: Wie hoch war der Verkaufspreis am Ende?

F: Siebenundzwanzig Mark. Wir haben es zum Schluss vor allen Dingen aus Prinzip durchgezogen. Beuys hatte die spaßige Vorstellung, dass sein Sohn seine Signatur erlernen könnte und auch ich mir noch schnell einen Sohn zulegen müsste, und dann hätten die beiden das nach unserem Tod fortführen können.

B: Gab es Momente, in denen es Beuys leid war, dass wieder der Feelisch mit seinen Kisten vor der Tür stand?

F: Nein, überhaupt nicht. Es gab wohl in den letzten Jahren erhebliche Probleme, einen Termin zu finden, an dem wir beide Zeit hatten. Das lag zum einen an seiner Krankheit, die schlimmer wurde, zum anderen daran, dass er sich so viele Projekte aufhalste, dass wir nicht selten sechs, sieben Mal telefonieren mussten, bevor wir eine Verabredung treffen konnten. Aber er war immer stolz darauf gewesen, dass ich tatsächlich bei jedem Exemplar danebengesessen hatte. Ich nutzte schon mal die Gelegenheit einer Fahrt nach Düsseldorf, um eine Fuhre Kisten anzuliefern, die er jedoch nicht anrührte, bis wir die Zeit fanden, uns zusammenzusetzen. Manchmal rief er aber auch ganz spontan an und sagte: Feelisch, du musst kommen, wir haben hier eine Familienfeier, die Verwandtschaft ist da, lass uns nebenbei Kisten signieren. [...]

B: Bei den Aktionen oder Arbeiten von Beuys, die im Kontext von Fluxus entstanden sind, fällt auf, dass Beuys' Handschrift immer sehr klar zu identifizieren ist. Das Spezifische seines Werks geht nicht im Kollektiv auf, sondern bleibt immer bis zu einem gewissen Grad autonom. Woran liegt das?

F: Ich würde Beuys als einen typischen Künstler charakterisieren, der alles selbst machen wollte und dem seine Handschrift sehr wichtig war. Er zählte nicht zu denjenigen, die gut Dinge delegieren konnten. Das Intuitions-Kästchen ist da das beste Beispiel. Es war für ihn völlig ausgeschlossen, dass man die Beschriftung z.B. auch drucktechnisch hätte erledigen können. Was die Performances betrifft, so waren sie zum überwiegenden Teil auf seine Person und die jeweilige Situation zugeschnitten. Und dort, wo er auf etwas Vorgegebenes reagieren musste, wie z.B. bei der Handaktion 1969, hatte er das Talent, die Situation in seinem Sinne zu interpretieren. Darin unterschieden sich die Beuys-Aktionen grundsätzlich etwa von den Fluxus-Stücken, die Bob Watts oder George Brecht konzipiert hatten. Diese waren so angelegt, dass sie jeder aufführen konnte, ohne Ausbildung, ohne Anspruch auf Perfektion etc. Bei Beuys war man dagegen immer mit einer originären künstlerischen Leistung konfrontiert. [...]

 

Rita E. Täuber
„Beuys für Alle“

 

 

ZurückNewsletter abonnierenJetzt anfragen